Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Wettbewerbseintrag für den Neubau der Zentral- und Landesbibliothek Berlin

1. Städtebauliches Konzept

Der Entwurf berücksichtigt die anstehende IGA. Die dominierende Rundung des Flughafengebäudes und des Masterplanes wurden in der Wohn- und Gewerbebauung weiter geführt.

Die klare Gliederung in Wohnungen, ZLB und Gewerbe ist von außen erkennbar.

Die ZLB steht als eigenständiger dominierender Baukörper zwischen Wohnen und Gewerbe.

Das Wohngebiet wurde vom Durchgangsverkehr freigehalten, um eine möglichst private Atmosphäre zu schaffen. Die erreichte hohe GFZ lässt sich ohne Weiteres von 3,4 auf 4,6 erhöhen. Sie entspricht dem innerstädtischen Wohnen einer Großstadt und ist interessant für Investoren.

Zur ZLB hin erfolgte eine Absenkung der Gebäudehöhen, damit die Einzigartigkeit der ZLB unterstrichen wird. Das Wohngebiet Tempelhofer Feld weist unterschiedliche Baukörper auf, die trotz Ihrer Massivität keinen Riegel erzeugen und Durchblicke ermöglichen. Die gewählten Grundrisse entsprechen mit ihren zwei bzw. 3-Zimmerwohnungen den Bedürfnissen des Marktes. Wohnen wurde hauptsächlich nach Westen, Wohnen und Arbeiten in den Lofts größtenteils nach Osten ausgerichtet, die teilweise maisonetteartig aufgebaut sind. Zwischen den Wohnen und den Lofts liegt eine 7 m breite an den Stirnseiten offene halböffentliche Zonen, die zum Verweilen, Spielen und Feiern einladen und als Begegnungszone der verschiedenen Bewohner dient.

Im Prinzip sind es Einfamilienhäuser auf einer Etage im Wohnverband.

Die Höhe der Wohngebäude ergab sich auch mit Rücksicht auf die vorhandene Westbebauung des Tempelhofer Dammes, damit diese nicht vollständig von der Morgensonne ausgeschlossen werden.

Erschließung und Freiraum Quartier Tempelhofer Damm:

Die Stadt Berlin soll in Zukunft möglichst autofrei werden. Damit beginnen wir jetzt! Das Quartier Tempelhofer Damm wird ausschließlich im Westen vom Tempelhofer Damm her erschlossen. Nur eine Mindestanzahl an Stellflächen ist im Quartier zu finden. Die Straßen sind als privates Einbahnstraßensystem geplant, so dass es zu einem minimalen Flächenverbrauch für Autos kommt.

Das Quartier Tempelhofer Damm nimmt den elliptischen Schwung der Flughafengebäude auf und setzt diesen sowohl architektonisch als auch im Freiraum fort. Das Gelände ist zudem konkav gewölbt und das Wohngebiet damit klar von den angrenzenden Flächen getrennt. Die so geschaffene private Atmosphäre, die großzügigen Grünflächen sowie die lockeren Vegetationsgürtel und die bezaubernden Dachgärten erzeugen ein hochwertiges Wohngefühl, in dem für jedes Familienmitglied die passende Wohlfühloase zu finden ist.

Das Quartier Tempelhofer Damm bietet den Anwohnern alles zum Leben – Wohnungen, Büroflächen, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. Die Erdgeschossebenen am Tempelhofer Damm und am Tempelhofer Feld werden gewerblich genutzt. Die Wohnungen finden sich in den attraktiver gelegenen Bereichen mit den atemberaubenden Ausblicken auch über das Tempelhofer Feld.

Erschließung und Freiraum ZLB:

Die ZLB und der Stadtplatz bilden einen eigenständigen, besonderen Bereich in der Randbebauung des Tempelhofer Feldes. Die Atmosphäre und die Weite des ehemaligen Flugplatzes werden übernommen und durch gerade Linienführung und freibleibende Sichtachsen ins freie Feld verstärkt. Die Trichterform leitet den Besucher zur südlichen Landebahn und durch das zentrale Gebäude der ZLB zur nördlichen Landebahn, dem Boulevard des Tempelhofer Feldes. Die ZLB wird über das Quartier Südring erschlossen. Die Ver- und Entsorgung des Gebäudekomplexes erfolgt im Untergeschoss über die Tiefgarage am westlichen Ende der südlichen Landebahn. Diese Tiefgarage nach Variante 2 umfasst 550 Stellplätze und 50 Behindertenstellplätze auf 3 Ebenen. So bleibt der Stadtplatz gänzlich frei von motorisiertem Verkehr.

Der urbane Platz zwischen ZLB und Tempelhofer Damm ist das Entrée für das neue Wahrzeichen Berlins. Steigt man die Treppe der U-Bahn empor, baut sich das imposante Gebäude langsam in seiner vollen Pracht auf. Man tritt auf einen erhabenen Platz, der scheinbar im Himmel endet. Das ansteigende Gelände und die Wassertreppe führen die Fußgänger automatisch in zwei Richtungen: direkt zum Gebäude und zur südlichen Landebahn. Die Steigung gibt allmählich den Blick gen Osten frei und öffnet sich zum Tempelhofer Feld – ein grandioses Erlebnis der Freiheit.

Im Süden von der S-Bahn-Station kommend, schreitet man eine großzügige Treppenanlage hinab. Es eröffnet sich ein Blick über den Stadtplatz mit seinen reichlichen Aktionsräumen. Die Wassertreppe ist ein zentraler Anziehungspunkt. Hier sitzt es sich im Sommer besonders herrlich, da immer eine frische Brise weht. Die Jugend versammelt sich an der sportlich herausfordernden Skateranlage. Direkt an der Bibliothek sehen wir einen Spielplatz für die Kleinen. Doch was sind das für Türme am nördlichen Ende der Fläche? Es handelt sich um die bis zu 26 Meter hohen Fahrrad-Tower. Hier finden 900 Fahrräder einen sicheren und trockenen Platz – und das vollautomatisch. Weitere 300 Stellplätze für Fahrräder finden sich direkt am Ende der südlichen Landebahn.
Die dem Tempelhofer Feld zugewandte Parkarena der ZLB bleibt dagegen ruhig. Hier findet man Lese- und Veranstaltungsinseln, die in verschiedenen Höhen über der Wasseroberfläche schweben. Dieser kontemplative Bereich dient dem Lesen und der Entspannung mit dem Weitblick auf das Tempelhofer Feld – ein beispielloses Erlebnis der Ruhe.
Die südliche Landebahn wird von Bebauung freigehalten, um die Kaltluftversorgung der Quartiere westlich des Tempelhofer Damms zu gewährleisten.

Erschließung und Freiraum Quartier Südring:

Der elliptische Schwung des Quartiers Tempelhofer Damm wird hier konsequent fortgesetzt. Neben einem Hotel und Loftwohnungen finden in den Gebäuden des südlichen Quartiers auch wissenschaftliche Einrichtungen und Büros Platz, welche die Nähe zur ZLB sicher zu schätzen wissen. Ein dichtes Pflanzenband mildert den Lärmdruck der Autobahn und verbirgt die Zufahrt zur Tiefgarage.

2. Begründung des Entwurfskonzeptes ZLB

Der Baukörper ist ein Kontrapunkt zu den Wohn- und Geschäftshäusern. Er zeigt, dass etwas anderes Außerordentliches stattfindet.
Mit seiner großzügigen luftigen Erschließung und dem Blick auf den dahinterliegenden Park wirkt das Gebäude einladend, selbstbewusst und verlockend.

Drei klar gegliederte Bereiche sind für den Besucher von außen deutlich zu erkennen. Der dynamische flachere Verwaltungsteil umschließt den geschlossenen Bücherturm (Tresor), der rechte Teil zeigt deutlich, durch seine Gastronomie im EG und seinen offenen Lesefenstern in den Obergeschossen den Bereich für die Öffentlichkeit an. Von der Empfangshalle, die großzügig den Blick durch das Gebäude ermöglicht, führt eine großzügige gewendelte Treppe zum Infobereich.
Alle Flächen sind über Aufzüge bzw. Rampen barrierefrei zu erreichen.

Die Gastronomie lockt mit Terrassen zum Tempelhofer Feld und einem windgeschützten Biergarten. Schon der Erstbesucher erkennt, dass auch für die Kinderbetreuung gesorgt wurde, da diese sich direkt neben dem Eingang befindet.

Im Kern des Bücherturms befindet sich eine große Öffnung, welche den Blick auf die Bücherebenen des Turmes ermöglicht. Das gewaltige Angebot der ZLB wird beim Blick im Himmel erlebbar. Dynamik in der Empfangshalle und Ruhe in den Lesebereichen sind erlebbar.

Die Personenaufzüge und der Medientransport laufen offen im Bücherturm und verbinden die Fachbereiche. Das Highlight (Kernstück) ist der durch geschwungene umschlossene Treppen verbundene Lesebereich, der sich auf vielen Ebenen zum Tempelhofer Feld hin öffnet. Diese schweben über dem Feld mit Sitzstufen und Arbeitsplattformen. Die Leseinseln lockern das streng symmetrische Gebäude auf, wirken weicher (naturverbundener) als Übergang zur Parklandschaft. Die tragenden Säulen beinhalten durchlüftete offene Rettungstreppenräume.

Beim Lesen werden die wechselnden Aktivitäten auf dem Tempelhofer Feld wie auf einer Kinoleinwand zu verfolgen sein.

Dieses einzigartige Konzept wird sicherlich eine weitere Touristenattraktion für Berlin werden.

Im Dachgarten befindet sich ein Lesetrichter mit kleiner Gastronomie, der das Lesen unter freiem Himmel und einen Blick von oben durch eine begehbare Glasdecke auf dem Bücherturm ermöglicht, ohne den durch Mediengates geschützten Bereich zu verlassen.

3. Aussagen zu Konstruktion und Materialien des Gebäudeentwurfs und Aussagen zur Wirtschaftlichkeit

Die größten Flächen der Gebäude sind klar gegliedert und wirtschaftlich herzustellen. Unter Berücksichtigung des Brandschutzes bietet sich eine Stahlbetonkonstruktion für Bücherturm, Verwaltungs- und Öffentlichkeitsbereich mit vorgehängter Fassade an. Die Wahl fiel auf ökologisch sinnvolle Materialien unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit.
Die Algenfassade bietet mit Ihrem mehrfachschichtigen Aufbau und der dahinterliegenden windstillen Zone eine aktive Verbesserung des Wärmedämmwertes.
Die Veränderung der Grünfarbe auf der Fassade durch das Wachsen der Algen verändert das Aussehen des Bücherturms jahreszeitlich.
Fassadenteile, die für Sprayer attraktiv sind, gibt es nicht.

4. Aussagen zur Nachhaltigkeit und Energieeffizienz

- Ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit ist erreicht durch die lange Lebensdauer und die Fähigkeit, dank Stützenraster, eine einfache Umnutzung im Hinblick auf neue Technologien durchzuführen.
- leicht zu reinigende Fassade
- durch Wasserbecken keine Graffiti oder andere Verunreinigungen

Die soziale Nachhaltigkeit ist durch die Sicherung der Grundbedürfnisse und der Bildungsunterstützung für alle Gesellschaftsgruppen erreicht.

Energieeffizienz
Durch die im Detail dargestellte Lamellen vor den Fenstern werden ca. 3.500 qm Photovoltaikfläche entstehen, die einen Teilbereich abdecken. Der Bücherturm erhält auf der Südseite einen autotrophen Bioreaktor auf Algenbasis. Die nach Nordwesten und Norden gerichteten Fassaden des Bücherturmes eine heterotrophe Zucht des Algenreaktors. Spitzenlasten werden durch ein BHKW gedeckt, das wiederum seinen Treibstoff aus dem Bioreaktor erhält und sein CO2 diesem als Grundstoff zur Verfügung stellt. Bei der Reaktion wird Sauerstoff freigesetzt.

Die heutigen Anlagen, die zur Zeit nur wirtschaftlich für Nahrungsergänzungsstoffen arbeiten, deuten auf die wirtschaftliche Gewinnung von Treibstoff im Jahre 2017 hin.

- Ein hoher Anteil an Nordflächen zur Reduzierung der externen thermischen Last im Sommer dienen Fotovoltaik-Zellen in den Glaslamellen. Die Leistung der Lüftungsanlage ist durch Vorkühlung im Erdreich an 90% der Tage ausreichend und wird nur unter Spitzenlast durch Verdampfer unterstützt.
- Die um das Gebäude angeordneten Wasserbecken im Erdgeschoss dämpfen die Temperaturspitzen.
- Der Gründachbereich sorgt ebenfalls für eine ausgeglichene Temperaturkurve.
- Die Fenster sind zu öffnen.
- Kaltluftschleusen (Masterplan) bleiben offen.